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Die Teams, FOMAC und das neue Reglement

25. Juli 2008 - 11:37 Uhr

Hinter den Kulissen der Formel 1 geht das politische Tauziehen weiter: Wie sieht die Königsklasse der Zukunft aus und was hat FOMAC damit zu tun?

Burkhard Göschel
Die Position von Burkhard Göschel und dem FOMAC ist nicht unumstritten
© BMW

(Motorsport-Total.com) - Nachdem die Diskussionen um das Privatleben von Max Mosley weitgehend abgeklungen sind, kann sich die Formel 1 hinter den Kulissen wieder auf die Gestaltung der Zukunft konzentrieren. In den vergangenen Wochen und Monaten haben einige richtungsweisende Meetings stattgefunden - und zwar unter anderen Vorzeichen als in der Vergangenheit.

Die aktuelle Diskussion nahm im Mai in Monaco ihren Anfang, als Mosley seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte. Abseits des boulevardesken Geschehens wurde jedoch auch vom Technischen Delegierten der FIA, Charlie Whiting, ein Meeting aller Motorenbauer einberufen. Dazu kam es nie, weil sich die Teams querlegten. Begründung: Das zukünftige Reglement sollte auf höherer Ebene diskutiert werden und nicht ausschließlich von den Motoreningenieuren.

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Mosley-Brief als Ausgangspunkt

In Kanada gab es weitere Gespräche, die dann jedoch nach Europa verlegt wurden, weil nicht alle relevanten Diskussionsteilnehmer den Überseeabstecher mitmachten. Und wirklich frischer Wind kam in die Sache, als Mosley am 3. Juli einen Brief verschickte, indem er es mehr oder weniger den Teams in die Hände legte, das zukünftige Reglement selbst zu gestalten. Sollten die Teams scheitern, dann würde freilich wieder die FIA ihre eigenen Ideen umsetzen.

War der Brief also nur politisches Kalkül von Mosley, im Wissen, dass sich die Teams in der Vergangenheit noch selten zusammenraufen konnten? Wenn ja, dann könnte er sich verspekuliert haben. Denn nicht nur Honda-Geschäftsführer Nick Fry betonte kürzlich gegenüber 'Motorsport-Total.com': "Die Teams haben bewiesen, dass sie recht gut zusammenarbeiten können, wenn sie müssen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Testbeschränkung."

Jahrelang hatte es Diskussionen darüber gegeben, dass im Rahmen der Testfahrten fernab des öffentlichen (und damit marketingseitig nutzbaren) Interesses viel Geld verbrannt wird. Versuche der FIA, dies sinnvoll zu regeln, scheiterten kläglich. Unter starkem Druck setzten sich die Teams dann selbst an einen Tisch und entwickelten die heutige Vereinbarung: maximal 30.000 Kilometer pro Saison, jeweils nur ein Auto gleichzeitig auf der Strecke, offizielle Testtage für alle Teams.

Teams präsentieren sich konsensfreudig

Auch jetzt arbeiten die Teams wieder zusammen. Ein erstes Meeting fand in Hockenheim in der Hospitality von Frank Williams statt. "Das steht unter keinem Banner. Die Teams arbeiten zusammen und versuchen herauszufinden, was sie für die Zukunft wollen, damit sie Empfehlungen an die FIA aussprechen können. Diese Gruppe hat keinen Namen und wird wohl auch keinen Namen bekommen", erläutert Fry.

Zum Hintergrund: Der Mosley-Brief lässt den Teams zwar weitgehend freie Hand, sofern sie sich einigen können, es werden darin aber drei Kernziele vordefiniert: eine Senkung der Kosten um 50 Prozent, eine Senkung des Benzinverbrauchs um 50 Prozent bis 2015, mehr Überholmanöver und damit spannendere Rennen. Noch vor Jahresfrist müssen die Teams ihre gemeinsamen Vorschläge der FIA präsentieren.

FOMAC ringt um Akzeptanz

Doch welche Rolle spielt FOMAC dabei, das Formula One Manufacturers' Advisory Committee? Mosley präsentierte sich jüngst nur allzu gerne an der Seite von FOMAC-Chef Burkhard Göschel, ehemaliger Vorstand von BMW, der früher als Frontmann der Herstellervereinigung GPMA aufgetreten ist. Auch heute wird Göschel wieder als personifiziertes Herstellerinteresse positioniert, dabei scheinen sich die Hersteller darin gar nicht so einig zu sein.

"FOMAC ist ein FIA-Komitee", versichert uns beispielsweise Toyota-Teampräsident John Howett, während sogar Mario Theissen von Göschels ehemaligem Hauptarbeitgeber BMW betont: "Das ist eine FIA-Sache. Die FOMAC ist von der FIA eingesetzt, um alle Hersteller an einen Tisch zu bringen, nicht von den Teams. Eine Autorität hat sie nicht. Nach unserem Verständnis ist das eine Arbeitsgruppe, in die die FIA die Hersteller reinholt."

Also wieder ein cleverer Schachzug von Mosley: Indem er Göschel auf seine Seite zog - die beiden gaben gemeinsam ein nicht unumstrittenes Interview für die 'Welt', in der Göschel Mosley nach dessen privater Eskapaden offiziell rehabilitierte -, gewann er einen großen Player der Herstellerseite für sich, der nun versuchen soll, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen. Vorerst scheint es jedoch so, als würden die Teams lieber ihr eigenes Ding durchziehen, ohne Göschel.

Mit wessen Mandat agiert Göschel?

Zwischen den Meetings der Teams in Monaco, Kanada und zuletzt Deutschland und dem FOMAC gibt es "keinen Zusammenhang", wie Howett klarstellt: "FOMAC ist eine Organisation der FIA, über die sie sich mit den Herstellern beratschlagen will." Und dass Mosley von Göschel rehabilitiert wurde, was den Laien Glauben ließ, dies sei diesbezüglich Konsens innerhalb der Formel 1, ärgert Howett ebenfalls ein wenig: "Soweit ich weiß, hat er kein Mandat, im Namen der Teams zu sprechen."

Doch die Mosley-Affäre hat ohnehin keine oberste Priorität mehr. Vielmehr geht es nun um die Sachthemen: "Wir wollen eine einheitliche Position der Hersteller finden", präzisiert Howett gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Das sollten wir erreichen können - wir haben es ja auch beim Motor geschafft, aber unser Vorschlag wurde damals von der FIA abgelehnt. In den nächsten ein bis zwei Monaten wollen wir eine gemeinsame Position erreichen, die wir dann Herrn Göschel präsentieren können."

Phase der Evaluierung

Für eine etwas konkretere Aussage zum Mosley-Brief und den daran anknüpfenden Plänen der Teams erbittet sich der Brite etwas mehr Bedenkzeit: "Die Vorschläge sind sehr weitreichend. Wir alle studieren im Moment, welche Auswirkungen sie haben, welche Kostenauswirkungen sie haben, ob sie realistisch gesehen erreicht werden können oder wenn nicht, was realistische Ziele wären. Und wir studieren, was praktisch umsetzbar ist."

Genau das war Sinn und Zweck des Meetings am vergangenen Wochenende, denn dort wurde von den Teamchefs noch nicht ins Detail gegangen, sondern man vereinbarte vor allem ein weiteres Treffen am 29. Juli. Treffpunkt: Maranello. Das ist sportpolitisch gesehen ein Signal der Einheit, schließlich gab es zwischen Ferrari und den britischen Teams früher immer eine Kluft. Diese scheint man nun von beiden Seiten kitten zu wollen.

Ein Vorschlag, der in Maranello sicher zur Sprache kommen wird, ist der Mosley-Wunsch, dass die Hersteller den Privatteams den kompletten Antriebsstrang mitsamt KERS um zwei Millionen Euro jährlich zur Verfügung stellen sollen. Ein Ding der Unmöglichkeit, wie wir glauben, denn Toyota muss sogar für einen sehr konventionellen Formel-Nippon-Motor diese Summe veranschlagen - dabei basiert der auf dem alten IRL-Triebwerk und nicht auf Formel-1-Hightech...

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